Neues aus Japan

Erfahrungsbericht unseres englischen Vereinsmitglieds Julia Keeling über ihre Reise nach Japan im Jahr 2002, übersetzt von Wolfgang Vits.

Unser neues Mitglied von der Isle of Man, Julia Keeling hat zusammen mit Pete Campbell im April dieses Jahres Geflügelfreunde in Japan besucht. Dabei wurden ihnen auch Langkräher vorgeführt, worüber sie wie folgt berichten:

„Ein kleiner Krähwettbewerb, dem wir beiwohnten , fand auf dem Grundstück des Herrn Kazuki Ito in Ueda statt. Die Tatsache, dass eine solche Veranstaltung auf seinem Grund und Boden durchgeführt wurde, scheint ungewöhnlich, denn Land steht in Japan nur in geringem Umfang zur Verfügung. Jeder Zollbreit der winzigen Gärten wird zum Anbau aller Arten von wunderbaren Pflanzen genutzt Jedoch befanden wir uns in der gebirgigen Provinz Nagano fern von der dicht besiedelten Ostküste, wo mehr Platz zur Verfügung steht.

Drei Züchter beteiligten sich mit Koeyoshi, Tomaru und Totenko. Bis zu ihrem Auftritt wurden die Hähne in abgedunkelten Kisten im Schatten bewahrt in der Hoffnung, dass sie krähen würden sobald man sie ausließ.

Bevor der Wettbewerb begann, erhielten wir Wertungsbögen zum Ausfüllen. Weil diese nur japanische Schriftzeichen enthielten, gab man uns eine Übersetzung. Die erste Spalte diente dem Eintrag von Rasse und Alter, die zweite war für die Qualität der Stimme, die dritte für die Melodie und die vierte für die Ruflänge. Nach den Regeln dieses speziellen Vereins wird der „Schnork“ am Ende des Krährufs nicht mitgezählt. Der Hahn mit dem längsten Krähruf gewann nicht zwangsläufig. Melodie und Klangvolumen wurden mit berücksichtigt.

Es wurden zwei Hähne gleichzeitig hervorgeholt, auf Böcke gesetzt und ihre Krähbemühungen notiert. Drei Krährufe eines jeden Hahnes wurden gewertet. Wenn ein Hahn innerhalb von fünf Minuten nicht krähte, wurde er disqualifiziert. Wenn er nur kurz und weniger als fünf Sekunden krähte, wurde dies nicht gezählt, wenn er aber öfter als sechsmal kurz krähte wurde er ebenfalls disqualifiziert. (Anmerkung: Das häufige Kurzkrähen nennen die Japaner „Kirigo“, es ist sehr verpönt, weil es vererbt wird.)

Die Koeyoshi begannen mit ihrem erstaunlich leisen, dem Baß gleichenden Gesang. Von den sechs Hähnen wurde einer wegen Passivität und einer wegen sechs kurzer Krährufe disqualifiziert. Von den verbliebenen Wettbewerbern war der längste Krähruf 12,4 Sekunden; und weil der Hahn auch die melodischste Stimme hatte, wurde er auch Sieger.

Dann kamen die Tomaru mit ihrem kräftigen Bariton. Der Gewinner zeigte drei gleichermaßen eindrucksvolle Krährufe von 14,5 – 14,9 – und 15,0 Sekunden Dauer.

Zuletzt waren die Tenöre der Totenko an der Reihe. Obwohl ein Hahn mit seinem Gesang 15 Sekunden erreichte, wurde er nicht Sieger. Trotz seiner relativ kurzen Krährufe von nur 8,3 – 9,0 – und 9,7 Sekunden Dauer war der siegreiche Totenko hervorrangend und seine Stimmqualität außergewöhnlich.

Es war nicht so schwer, anhand der Wertungskarten zum richtigen Ergebnis zu kommen. Wir fanden heraus, dass wir beide zwei von drei Siegern richtig ermittelt hatten. Natürlich kann die Bewertung ziemlich subjektiv sein, aber wir waren mit denen, die regelmäßig Hähne bewerten, einer Meinung. Der Sieg des Totenko war für uns beide überraschend. Sein Gesang, obwohl nicht der Längste, war dennoch lang genug, Melodie und Stimmqualität waren auch für uns herausragend. Die Stimme war klar und sanft und ohne das rostige kratzen (cracking), das die meisten der Anderen von sich gaben.

Der Wettbewerb bei warmen japanischen Frühlingswetter hat uns Spaß gemacht, es war höchst interessant, die Bewertungsmethode des Vereins kennen zu lernen.

Die Langkräherrassen werden zur Zeit in Deutschland immer beliebter, hoffentlich finden sich auch im übrigen Europa Enthusiasten, die sich an der Zucht beteiligen. Anfänge sind in Großbritannien schon gemacht. Wir sind froh darüber, dass es den Sonderverein der Züchter asiatischer Langkräher gibt, die die Langkräherrassen fördert und gleichzeitig die Interessen der Züchter vertritt.

Julia Keeling und Pete Campbell