Bericht 90. Nationale

Erfurt 2008

Das „Heck“ und das „Meck“ um die Geflügelgrippe mit Aufstallungen und drohender Keulung, wenn in der Nachbarschaft eines Züchters eine verendete, altersschwache Wildente gefunden wird, hat auch dem „SV zur Erhaltung asiatischer Langkräherrassen“ geschadet. Einige unserer Freunde haben leider entmutigt aufgegeben. Um so wichtiger ist es, dass ein harter Kern von begeisterten Langkräherzüchtern die Fahne hoch hält.

Michael Marschall zeigte 1,1 Denizli, schwarz-silber, die durchaus dem derzeitigen Rassestand entsprachen. Der Hahn hätte mit besserer Schaukondition eine höhere sg-Note erzielt. (1,0 sg93, 0,1 sg95 Z).

Derselbe Züchter zeigte auch 2,2 Koeyoshi von überdurchschnittlicher Qualität: Starker Knochenbau als Voraussetzung für einen soliden Stand, feine Köpfe mit nicht zu großen Kämmen und Kehllappen, die Hähne mit dem rasseeigenen dunklen Hals- und Sattelsilber und rostfarbenen Flügeldecken, die Hennen mit ansprechender Säumung.

Eine Henne erschien mir im Körper recht schmal. Koeyoshi sollen etwas angehobene und breite Schultern zeigen, ohne dass wir dabei Vergleiche mit Kampfhuhnrassen ziehen wollen.

Einige gebrochene Handschwingen blieben unberücksichtigt, da Koeyoshi-Hähne in Erregung mit den Flügeln zu klatschen pflegen und dabei ihre Schwingen ramponieren. Würden wir das als Mangel bewerten, würden wir gerade die vitalen Hähne bestrafen, die wir in der Zucht brauchen. (2,0 sg95 Z und sg94; 0,2 hv96 E und sg93) Leonhard Eberhard zeigte 6,8 Tomaru, davon die meisten verkäuflich. (Hoffentlich sind sie in wirkliche Züchterhände gekommen!)

Die Hähne waren in Typ und dem Steuergefieder unterschiedlich. Einigen fehlte es an Körperlänge und Schwanzfülle. Das Pigment stimmte bei allen. Nur bei den Hennen verlangt der Standard eine fast schwarze Kammfarbe, die der Hähne ist maulbeerfarben bis karminrot. Das belegen die Fotos aus der Heimat dieser Rasse.

Mehrere Hähne krähten während der Bewertung mit erfreulicher Stimmqualität und guter Ruflänge. Ich benotete das beste Paar der Tomaru mit hv E, damit interessierte Züchter an ihnen Maß nehmen konnten für ihre eigene Selektion. (6,0 hv E, sg95 Z, sg94 und 3mal g92; 0,8 hv E, 2mal sg95 Z, 2mal sg94, 2mal sg93 und g92).

Unsere vierte asiatische Kräherrasse – die Totenko – wurde von Ralph Pietschmann mit 5,2 Exemplaren gezeigt. Die Hähne waren gut entwickelt, so wie man eine Langschwanzrasse im Dezember „fertig“ haben kann.

Erkennen Sie meine Begeisterung daran, dass ich nur einmal sg93 erteilte, die anderen vier Hähne dreimal mit sg95 und den in Kfg. 3937 mit dem Vorschlag für das „V“ bewertete. Ich ließ den anwesenden Japaner Tatematsu den besten Totenko aussuchen und erhielt die Bestätigung meiner Wahl.

Anders der Obmann: Freiherr von Lüttwitz nahm den Hahn aus dem Käfig, hob das Hals- und Sattelgefieder an und meinte: „Der Hahn ist ja total unfertig!“ Das „total“ wiederholte er. Ich notierte seine Meinung auf der Karte, ergo hv E!

Von den beiden Hennen war die eine im Gefieder stark zerrissen, deshalb erhielt sie „o.B.“ Die andere war fehlerlos und hier akzeptierte der Obmann das V mit Siegerband.

Das Theater um die Bestätigung des V deckt die Schwächen unseres Systems auf. In der Regel vertraut der Obmann dem Vorschlag eines Sonderrichters und dessen besserer Kenntnis seiner Rasse. Er weiß, dass eigentlich nur dieser den „derzeitigen Zuchtstand“ aufgrund seiner Zuchterfahrung objektiv beurteilen kann. Wenn der Obmann sich aber nicht an diese übliche Praxis hält?

Herr von Lüttwitz, von dem gesagt wird, dass er seit 20 Jahren keine Zucht mehr betreibt, der gewiss keine Direktinformationen über japanische Rassen erhält, geschweige denn über Zuchterfahrung mit Totenko verfügt, weiß aber besser als wir, wie ein vorzüglicher Totenkohahn auszusehen hat.

Unsere Langkräherrassen und auch die Hähne der Denizli benötigen ein ganzes Jahr, bis ihre Schwänze und Sattelbehänge voll ausgereift sind. Dieser Umstand ist wie ein „Rassemerkmal“ zu berücksichtigen.

Aus diesem Grunde sind frühe Schauen im September und Oktober für unsere Rassen nur bedingt geeignet. Die zeitlich späteste Schau im Jahr ist für uns die beste. Das ist die Nationale im Dezember. Noch lieber wäre mir – weil unseren Rassen und unserer Geldbörse zuträglicher – eine preisgünstigere und kürzere Schau (2Tage) im Januar.

Liebe Zuchtfreunde, ich wünsche Ihnen/Euch Ausdauer und Glück im Bemühen um unsere interessanten Langkräherrassen!

Wolfgang Vits
Februar 2009