Wettkrähen 2013

in Oelde

Bereits zum dritten Mal trafen sich der Sonderverein zur Erhaltung asiatischer Langkräher, der Sonderverein der Züchter der Phönix, Zwerg-Phönix und Onagadori sowie der internationale Ohiki-Club zu einer gemeinsamen Frühjahrsschau. Hervorragend organisiert von den Zuchtfreunden des RGZV Robert Oettel Oelde 01 e.V war der Ausstellungsrahmen vorbildlich und eine optimale Werbung für die gezeigten Rassehühner.
Ich spreche im Namen aller Züchter des SV zur Erhaltung asiatischer Langkräher die besten Dankesworte aus und freue mich bereits jetzt auf die nächstjährige gemeinsame Veranstaltung.

Der gewählte Frühlingstermin lockte mit tollem Wetter und das schlug sich auch in einer hohen Zuschauerfrequentierung nieder. Optimale Bedingungen am sonntäglichen Kräherwettbewerb animierten die Hähne zum Musizieren.

Wie bereits in den letzten Jahren lag die Meldezahl zwischen 40 und 50 Krähern (1,0 und 0,1). Der bisherige Züchterstamm ist rührig und mit vollem Eifer dabei, zwei neue Zuchtfreunde nahmen zum ersten Mal an der Veranstaltung teil. Im Folgenden wird differenziert in die Schauleistung sowie die Krähleistung. Die Schauleistung wird über einen Umrechnungsschlüssel in eine Punktleistung aus Schönheit umgerechnet. Die Krähleistung setzt sich zusammen aus den längsten drei Krährufen innerhalb einer Zeitdauer von 10 Minuten sowie einer Punktwertung (0 bis 5 Punkte) für die gezeigte Stimmqualität. Diese wird hinsichtlich dem charakteristischen Krährufverlauf und der Stimmreinheit bewertet. Ein Krähruf muss nicht nur lang anhaltend, sondern auch harmonisch klingen. Krächzende Stimmen sind nicht gewünscht und nicht rassetypisch. Mit dieser kombinierten Wertungsmethode wird versucht, eine Gesamtaussage hinsichtlich der Typhaftigkeit eines Langkräherhahnes in Bezug auf Leistung und Schönheit zu treffen.

Koeyoshi (8,2):
Die Koeyoshi konnten den Standart des letzten Jahres durchaus halten. Dennoch variieren einige Hähne immer noch in den markanten Kopfprofilen und zeigen sich etwas flach in der Haltung. Die Standhöhe stimmt mittlerweile fast durchweg. Tief stehende Tiere gehören somit der Vergangenheit an. Bis auf einen Ausfall zeigten sich alle Hähne verbessert hinsichtlich der durchgefärbten Schwanzfedern. Der verpönte Schilf scheint verdrängt. Vereinzelt dürfte der Rotbraunton auf den Flügeldecken und Schultern noch etwas intensiver sein. Allgemein steht die Farbgebung jedoch hinter den übrigen Rassemerkmalen zurück und ist weniger hart zu strafen.

Der erste Junghahn von Zuchtfreund Brinkmann überzeugte mit V97 auf ganzer Linie. Ein vitaler Rassevertreter mit feinem Kopfprofil, typischer Ober- und Unterlinie, Standhöhe und einem klaren Perlauge. Hier gab es nichts zu bemängeln und der Hahn stellte das Optimum des derzeitigen Zuchtstandes dar. Ein weiterer Junghahn aus gleicher Zucht überzeugte mit sg95. Hier störte die doch etwas üppige einseitige Kehllappenstruktur. Ein weiterer Hahn zeigte sich formlich ansprechend, jedoch noch etwas zu rötlich im Auge. Den beiden mit „gut“ bewerteten Hähnen sah man das junge Alter noch an. Bedingt durch die lange Entwicklungsphase der Hähne werden beide sicherlich in einigen Monaten noch zulegen. Die typischen Rassemerkmale waren sichtbar. Der Althahn zeigte sich bereits zu tief im Stand. Der geforderte Erbsenkamm war nicht in allen Fällen edel ausgebildet.

Die Krähruflängen haben sich gegenüber den letzten Jahren wieder verbessert. 12 Sekunden als längster Krähruf ist eine hervorragende Leistung. Die übrigen Hähne krähten zwischen 8 und 10 Sekunden, die tiefe, sehr angenehme Krährufmelodie stimmte, bis auf eine Ausnahme, bei allen Hähnen. Die gezeigte Jung- und Althenne präsentierte sich formlich und farblich dem Standard entsprechend. Die Zuchtrichtung der Koeyoshi stimmt, die Qualität ist vorhanden, es fehlen jedoch noch Züchter um auch eine langfristige Sicherung der Rasse zu gewährleisten.

Tomaru (2,1):
In der Zahl stagnierend, in der Qualität verbessert, präsentierten sich die Tomaru. Ein Züchter alleine kann die Rasse nicht erhalten. Somit gebührt Zuchtfreund Marschall besonderer Respekt, wie er sich mit vollem Eifer um die Arterhaltung kümmert. Die beiden Hähne zeigten die formlichen Anlagen, ihnen fehlte es jedoch insgesamt noch an Körpervolumen und der typischen Farbpigmentierung im Gesicht (maulbeerfarbig bis schwarz). Bei den Tomaru ist diesbezüglich der Raritätenstatus mit viel Feingefühl in der Bewertung zu berücksichtigen.
Die gezeigte Henne aus dem Vorjahr überzeugt mit hv96 und war eine Augenweide. Die Krähruflänge der Hähne mit 12 Sekunden bestätigte die Leistung der vergangenen Jahre. Die Stimme war kraftvoll und zeigte einen typischen Baritonklang.

Erfreulich zu erwähnen ist, dass zwei neue Züchter begonnen haben sich mit der Zucht der dunkelgesichtigen Rasse zu beschäftigen. Wir dürfen auf das Ergebnis im nächsten Jahr gespannt sein.

Totenko (10,5):
Nach wie vor zeigen die Totenko den höchsten züchterischen Stand. Seit Jahren präsentieren sich die gezeigten Kollektionen auf hohem Niveau hinsichtlich Leistung und Schönheit. Farblich gab es keine Beanstandungen. Hinsichtlich des Körper- und Federvolumens trumpften die zweijährigen Hähne von Altmeister Vits mit hv96 und sg95 auf. Zuchtfreund Lippe zeigte einen hochfeinen Junghahn mit sg95 und auch die übrigen Hähne mit sg94 waren richtungsweisend im Typ. Die beiden mit b90 bewerteten Hähne fielen aufgrund der Kammstrukturen ab, was jedoch mit dem späten Ausstellungstermin und der Winterperiode begründbar ist.

Erfreulich ist die deutlich bessere Kehllappenstruktur bei allen Hähnen, hier haben sich die Hinweise der letzten Jahre positiv bemerkbar gemacht. Insgesamt konnten die Hähne der Totenko den hohen Zuchtstand bestätigen.

Die Krähruflängen sind in den letzten Jahren leicht rückläufig, dies gilt es dringend zu beobachten. Der beste Kräher von Zuchtfreund Pietschmann, mit 15 Sekunden Ruflänge gemessen, konnte aufgrund der Kammstruktur in der Schönheitsbewertung nicht überzeugen und hatte somit keine Chance mehr auf den Gesamtsieg. Dies ist ein Beispiel, das man genauer beobachten sollte. Züchterisch ist der Leistungsfaktor viel schwieriger zu beeinflussen als der Phänotyp. In 2010 war der maximale Krähruf noch 19 Sekunden, hier gilt es gegenzusteuern. Diesbezüglich könnte man den Bewertungsmodus aus Leistung und Schönheit anpassen. Über die Thematik wurde intensiv diskutiert und es erscheint sinnvoll, rasseabhängig zu entscheiden, um die Krähruflänge nicht weiter zu schwächen.

Thiemeyer stellte den Siegerhahn der Kombiwertung gefolgt von den beiden Althähnen von Vits.
Die gezeigten Hennen verkörperten in hohem Maße die geforderten Rassemerkmale. Die Problematik in der Augenfarbe zeigte nur noch eine Henne. Körpervolumen und Haltung stimmten. Ein Ausschlussfehler im Kammaufbau konnte das sehr gute Gesamtbild nicht schmälern.

Denizli (13,1):
Denizli sind etwas für Züchter und Naturfreunde, die das Außergewöhnliche mögen. Urig im Charakter und mit ihrer typischen Landhuhnform zeigen sie sich weniger elegant als die übrigen Kräherrassen, trumpfen jedoch mit enormen Krähruflängen auf. Wie auch in den letzten Jahren zeigten sich die Goldenen insgesamt zarter im Körper. Die Silbervariante ist deutlich massiger. Im Abschluss zeigen sich ebenfalls sichtbare Unterschiede.

Während die Goldenen oftmals bereits zu steil im Übergang wirken zeigt sich dieses Problem bei den Silbernen nicht. Genau gegenteilig zeigen sich die Kopfpunkte. Hier wirken die Goldenen derzeit etwas eleganter. Bei den Silbernen wird man oftmals, quasi fast immer Kammzackenausbildungen antreffen über die sich streiten lässt. Dies sollte mit viel Fingerspitzengefühl bewertet werden, ein zu scharfes Richten ist hier nicht zielführend. Die Züchter kennen die Problematik, jedoch treten die Fortschritte nur langsam auf, da im Heimatland der Rasse der Kammqualität nie eine derart hohe Bedeutung zugewiesen wurde.

Ein herausragender Rassevertreter konnte nicht prämiert werden, die mit sg95 bewerteten Hähne von Vits konnten dennoch überzeugen. Die mit b90 und u bewerteten Hähne zeigten leider Zehenfehler oder doch schon zu unschöne Kammausbildungen. Besonders ärgerlich, da ein Junghahn von Püryan mit 19 Sekunden Krähruflänge brillierte, jedoch aufgrund des Ausschlussfehlers keine Chance auf den Gesamtsieg hatte. Die Siegerhähne stellten Vits und Marschall. Hier stimmte die Synthese aus Leistung und Schönheit. Die gezeigten Hennen in Gold und Silber zeigten sich formlich und farblich in guter Verfassung.

Die schwarzen Denizli fehlten wie in den vergangenen Jahren gänzlich. Es stellt sich die Frage ob überhaupt noch Zuchten existieren? Hier ergeht ein Aufruf an alle Züchter, sich im SV zu melden um dieses alte Kulturgut zu erhalten. Insgesamt konnten die gezeigten Tiere wie im letzten Jahr überzeugen. Bereits jetzt freut sich der Sonderverein zur Erhaltung asiatischer Langkräher auf die gemeinsame Frühjahrsveranstaltung in 2013. Dazu sind alle interessierten Züchter herzlich eingeladen.

Dr. Andreas Weiß

 

Die gesamte Auswertung des Wettkrähens finden Sie >HIER<