Die Gründung des Sondervereins

Die Züchter der asiatischen Kräherrassen haben sich im Sonderverein zur Erhaltung ihrer Rassen zusammen gefunden. Der Verein wurde zunächst als Arbeitsgemeinschaft gegründet, als der Verein Bergischer Hühnerrassen es ablehnte, die Förderung der Denizli Kräher in sein Programm aufzunehmen. Auch unsere Bemühungen nach der politischen Wende, durch die Fusion der drei Krähervereine, der SZG Bergische Kräher (Ost), des SV Berg.Hühnerrassen (West) und der Arbeitsgemeinschaft der Denizli Züchter einen mitgliederstarken Sonderverein zu gründen, waren leider vergeblich.

Die Zielsetzung unserer SV-Arbeit ist klar definiert:

Wir züchten die in fremden Kulturen entstandenen Rassen nach Standard und Konzept ihrer Heimat.

Kräher, deren Hauptrassemerkmal die Anlage für lang gezogenes Krähen ist, müssen vorrangig auf dieses Merkmal hin selektiert werden. Die Zuchterfahrung lehrt, dass langes Krähen und die besondere rasseeigene Stimmqualität viel schwerer züchterisch zu beeinflussen sind als Schönheitsmerkmale. Deshalb dient die Schaubewertung allein nicht dem Rasseerhalt, erst recht nicht ihrer Weiterentwicklung.

Aus diesem Grunde veranstaltet unser SV in jedem Frühjahr am letzten Aprilsonntag eine Krähervorführung für alle Kräherrassen, bei der die Leistung getestet wird. Gleichzeitig übernimmt ein Sonderrichter die Bewertung nach Maßgabe des Standards des BDRG.

Hähne mit Ausschlussfehlern werden auch mit besten Krähleistungen von der Preisverleihung ausgeschlossen.

Das alte - nicht veraltete - Zuchtprinzip "Leistung und Schönheit" ist eine Voraussetzung, wenn wir eine überzeugende Krähleistung von einem attraktiven, dem Standard entsprechenden Hahn erzielen wollen.

Das macht die Zucht in gleichem Maße schwierig und interessant.

Doch ist es möglich, dass wir mit dem Motto "Leistung und Schönheit" nicht im Trend der Zeit liegen. Jedoch:

Züchten allein für den Ehrenpreis auf der Kreisschau?

Rassetauben halten, die nicht mehr fliegen können oder dürfen?

Ehemalige Wirtschaftsrassen als "Schautiere" Züchten, die gerade noch die Bruteier für ihre Erhaltung erbringen - das ist nicht unser Ding!

So denken auch die meisten unserer türkischen Mitbürger, deren Vorfahren einst die interessante Denizli Rasse schufen: "Warum kann ein Hahn mit Gabelzacken bei Euch kein hervorragender Kräher sein?"

Natürlich interessierte es uns, wie die japanischen Züchter ihre Zuchten betreiben.

Die Teilnahme des Verfassers an Krähveranstaltungen und Schauen in Japan in den Jahren 1995 bis 1999 waren erlebnis- und lehrreich.

Der erste Besuch führte nach Aomori, im Norden der Hauptinsel gelegen. Dort trafen sich Anfang Mai 50 Züchter mit 150 Koeyoshi Hähnen zum Wettstreit. Die Leistung wurde nach einem strengen Reglement von sechs Wertungsrichtern ermittelt. Das geschah in einer feierlichen und erhebenden Zeremonie. Es gab Spitzenleistungen bis zu 20 sec.

Japanische Züchter berücksichtigen ebenfalls das Prinzip ,,Leistung und Schönheit", indem bei Geflügelschauen Hähne der drei Kräherrassen disqualifiziert werden, wenn sie unter sieben Sekunden lang krähen. Dem entspricht auch die Forderung des Standards.

Die Kräherrassen Koeyoshi, Totenko und Tomaru stellen zusammen auf Geflügelschauen im Norden und der Mitte Japans 20 % der Meldungen.

Da Japaner "im Einklang mit der Natur" züchten, d.h. wenn die Hennen im März ohne künstliche Hilfsmittel mit Legen beginnen, sind die Großrassen in der Regel erst im März/April des folgenden Jahres voll entwickelt. Deshalb finden die Schauen erst im April/Mai statt. Muss man sich da nicht die Frage stellen, ob wir alles richtig machen?

Die vergangenen 20 Jahre des Zuchtgeschehens mit asiatischen Kräherrassen haben trotz mancher Rückschläge eine zufriedenstellende, ja erfreuliche Konsolidierung gebracht:

Die Denizli-Kräher in drei Farbschlägen sind im Sinne des Standards in Typ und Farbe einheitlicher und mit einer durchschnittlichen Krähdauer von 15 sec. und Spitzen von 20 sec, die robustesten und urigsten Kräher. (Deshalb leider auch gelegentlich für empfindliche Nachbarn problematisch)

Die Koeyoshi, die in der Anfangszeit ihre Probleme mit der Akklimatisierung hatten, sind jetzt gesundheitlich gefestigt. Ihre durchschnittliche Krähleistung beträgt 10 sec., Spitzenleistungen 16 sec.( in Japan 20 sec.). Das in den Anfangen oft beklagte Schilf im Steuer ist unter Kontrolle.

Die Totenko sind als Langschwanzrasse Spitze in der Gunst der Liebhaber. Sie sind in ihrer Vitalität verbessert, erheblich stabiler als in den 90er Jahren. Legeleistung und Schlupf sind recht gut. Die Krähleistung in Deutschland beträgt 10 bis 16 sec. mit steigender Tendenz, liegt jedoch hinter der in Japan noch zurück (12-18 sec.).

Die Besuche bei Züchtern in Japan und deren Teilnahme an Veranstaltungen bei uns haben anhaltenden Erfahrungsaustausch und bleibende Freundschaften entstehen lassen.

Dabei haben wir auch hinter die Kulissen der japanischen Rassezucht schauen dürfen. Der Kreis der aktiven Züchter dort ist viel kleiner als bei uns, wahrscheinlich handelt es sich um eine Zahl um die Tausend. Es gibt keine zentrale Organisation wie unseren BDRG sondern rivalisierende regionale Interessenverbünde. Aufgrund der hohen Preise für Grund und Boden und der vergleichsweise erheblich intensiveren Verstädterung ist die Zahl der aktiven Züchter stark rückläufig.

Da ist es kein Wunder, dass Delegationen aus Japan - und nicht nur die – bei dem Besuch unserer Schauen begeistert sind von dem hohen Niveau unserer Rassen und der Perfektion der Organisation und Präsentation.

In nachdenklichen Gesprächen gaben sie dem Wunsche Ausdruck, dass wir ihren kulturhistorisch wertvollen Rassen bei uns in Deutschland eine bleibende Heimat geben sollten, um mit zu helfen, sie vor dem drohenden Aus zu bewahren.

Wir Züchter im SV zur Erhaltung asiatischer Kräherrassen haben uns vorgenommen, die Erwartungen der japanischen Freunde nicht zu enttäuschen.

Die erst vor 20 Jahren bekannt gewordenen Langkräher, heute in unseren Züchterhänden, gehören zum ältesten Kulturgut der Evolution der Haustiere und sind durch die rasanten globalen gesellschaftlichen Veränderungen in der Ökumene auf Dauer gefährdet.

Wir haben uns ihrer angenommen. Züchten wir sie nach den Standardvorgaben ihrer Heimatländer und freuen wir uns an ihrem besonderen und urigen Gesang!

 

Wolfgang Vits Marburg, im Oktober 2008